Cricer-Haus
Im Jahr 1518 zerstörte ein Feuer den grössten Teil der Häuser auf dem Gräfi-Biel. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten entstanden unter Einbezug der Brandruinen, neue, prächtige
Patrizierhäuser.
Das Cricer-Haus wurde laut Inschriften in den Stuben des ersten und zweiten Stockwerkes und auf der Eingangstür in den Jahren 1575-1577 erbaut.
Der Bauherr, Theodul I. Kreuzer, geboren um 1509/10, war ein Sohn des Visper Burgers Johann Kreuzer und der Anna de Platea, aus vornehmem Visper Adelsgeschlecht. Als angesehener Visper Burger
bekleidete Theodul I. Kreuzer auch politische Ämter. So war er mehrmals Ammann der Talschaft Geren, Burgermeister von Visp, Grosskastlan des Zendens und Abgeordneter am Landrat sowie Kastlan der
Herrschaft Niedergesteln-Lötschen. In den Jahren 1570-1571 erklomm er die zweithöchste weltliche Würde des Wallis: er war Statthalter des Landeshauptmanns Anton Kalbermatten von Sitten.
Theodul I. Kreuzer war verheiratet mit der in Lalden aufgewachsenen Visper Burgerin Christina Zmillacher. Laut Inschrift im Hausinnern hatte das Ehepaar 16 Kinder. Der bekannteste unter den Söhnen
war Theodul II. Kreuzer, der sich 1586 mit Anna Lochmatter von Visp verheiratete und wie sein Vater mehrere öffentliche Ämter bekleidete. Seine zwei Söhne, Theodul III. und Anton Kreuzer liessen sich
im Goms nieder. In Visp erlosch das Burgergeschlecht Kreuzer bereits im Jahr 1687 mit dem Tod des Nikolaus Kreuzer, Kastlans von Baltschieder-Gründen.
Das “Cricer-Haus“ auf dem Gräfi-Biel war bereits 1665 an Johann Bartholomäus Sterren von Visp verkauft worden. Im 19. Jh. wurde das Haus von der Familie Franz Bilgischer-Jossen bewohnt: ein
Giltsteinofen im ersten Stockwerk erinnert noch an die damaligen Besitzer.
Bei der Restaurierung 1984 kam die farbenfrohe Architekturmalerei zum Vorschein: ockerfarbene Randquader, begleitet von schwarzem Kleeblattbogenfries.
Schützenlaube
Die Burgerschaft Visp hat sich nach der Schlacht bei Visp (Mannenmittwoch, 23. Dezember 1388) gegen die Savoyer zu einem freien und autonomen Gemeindewesen entwickelt. Die erste Sorge der Visper ging
dahin, diese neu erworbene Freiheit zu verteidigen und gegen neue mögliche Angriffe zu schützen. Zu diesem Zwecke wurde eine waffenfähige Mannschaft ausgebildet und jeder Burger war zum Waffendienst
verpflichtet. Schon zu Friedenszeiten wurde auf dem ehrwürdigen Platz Gräfi-Biel mit Pfeil und Bogen tapfer geübt. Durch die Einführung dieser Pflicht zum Waffendienste wurde der Grundstein zur
heutigen Schützenzunft gelegt.
Dass diesbezüglich alle Anstrengungen gemacht wurden, beweisen die Burgersatzungen von 1539: “Item wyder ist gemacht, dass ein jeder Burger oder lnsetz zuo Visp soll beward sin mit Harnesch und
Gewerdt, und des bereydt und gegrechet sin an gschichti Ort sines Huss, so es not thedt einer löbl. Landschaft Wallis, einem Zehnden oder einer löbl. Burgschaft Visp, dass er allezeit gerüstet sig in
yll. “ In Visp wurde das erste dieser Landesschiessen auf dem Schützenplatz Gräfi-Biel im Jahre 1548 abgehalten.
Im Jahre 1664 beschloss die Burgerschaft Visp für die Schützen ein Zunfthaus zu erstellen und ein “Rodelbuch“ mit Satzungen und zum Eintragen der Schützen anzulegen. Den Hauptmann dieser
neugeschaffenen Zunft erwählte die Burgerschaft. Das Zunfthaus wurde im Jahre 1664 erbaut, die Statuten wurden aufgestellt und damit war die heutige selbständige Schützenzunft gegründet.
Der langgestreckte gewalmte Bau auf der Felsenrippe birgt in dem mit weiten Rundbogenfenstern belichteten Erdgeschoss seit 1980 eine Kunstgallerie. Im oberen Stock befindet sich der Saal der
Schützenzunft, der noch seinem ursprünlichen Zewck dient.
Die Dreikönigskirche
Die anlässlich der Restaurierung 1972/73 von Werner Stöckli, Moudon, durchgeführten Grabungen gaben Kunde von einer bewegten Baugeschichte. Der erste, wohl ins 11.Jahrhundert zu datierende Kultbau,
eine Saalkirche mit eingezogenem Rechteckchor, war um 23' mehr nach Süden gerichtet. Die Kirche stand parallel zu beiden Gassenzügen des Gräfibiels und war daher mit ihrer Chorstirnmauer
wahrscheinlich in die gleichzeitig(?) entstandene Befestigungsanlage einbezogen. In der rechten Wand der Krypta findet der Besucher ein aufschlussreiches Boden-Wand-Fragment von diesem ersten 1220
erwähnten Bau. Wohl nach einem Brand im 13. Jahrhundert (1260 oder 1296) wich die erste Kirche einer grossen, vielleicht noch in romanischen Formen gehaltenen Anlage, deren Chor allein schon
annähernd die Ausmasse des Vorgängerbaus erreichte; die Kirche muste daher auf der schmalen Hügelkuppe mehr nach Osten gewendet werden. Der spätromanische Turm ist kaum vor der ersten Hälfte des 14.
Jahrhunderts erbaut worden.
Die nach der Überlieferung von der Gräfin Isabella von Blandrate († 1365) erbaute Krypta wird erst dem frühen 15. Jahrhundert zuzuweisen sein; 1424 wird sie erstmals erwähnt. Ihre heutige dreijochige
Gliederung erhielt sie im 17. Jahrhundert. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts gestaltete man das Chor des 14. Jahrhunderts durch ein neues Kreuzgrat- oder Kreuzrippengewölbe um. Die Aufstockung könnte
aber auch im Anschluss an den Neubau des Schiffs 1710-1730 erfolgt sein. Beim Erdbeben des 25. Juli 1855 fiel das Schiffsgewölbe ein und zertrümmerte Orgel, Seitenaltäre und Stühle. 1869-1872
erfolgte die Gesamtrenovation der erdbebengeschädigten Kirche durch Maurermeister Anton Ramoni von Brig. Im Jahr 1939 trat die Burgerschaft das Patronat der Kirche an die Pfarrei Visp ab, der das
Gotteshaus ursprünglich auch gehört hatte; die Gemeinde übernahm die Erhaltung des Bauwerks. 1972/73 Restaurierung unter Aufsicht der Eidg. und Kant. Denkmalpflege.
Inneres: An der rechten Chorwange stehen buntfarbene Wandgemälde der Darstellung Jesu im Tempel sowie des Kindermordes. Die unverhohlene Freude an der blutrünstigen Szene und die jähen
perspektivischen Verkürzungen der mit zentrifugaler Wucht gegen den Rand hin gedrängten Figuren lassen die Malereien mit Sicherheit einem italienischen (toskanischen?) Manieristen der zweiten Hälfte
des 16. Jahrhunderts zuweisen. Der in Stucco lustro geschaffene Hochaltar wurde 1724 von Giovanni Battista Rappa aus Como erbaut. Die Seitenaltäre (1875) von Battista Premoselli (?) aus Carona sind
dem Hochaltar angeglichen.
Haus Simon In-Albon
Simon In-Albon’s Haus auf dem Gräfi-Biel wurde früher vielfach als ehemaliges Schloss der Grafen von Blandrate aus dem Mittelalter angesehen. Das Steinhaus der Grafen erhob sich zwar einst auf dem
Gräfi-Biel, hat sich jedoch nicht bis in unsere Zeit erhalten. Auf den Überresten dieses Schlosses erhebt sich heute das grosse Walmhaus.
Walter In-Albon, so lautet ein alter Bericht aus dem 16. Jh., trug 1419 in der Schlacht von Ulrichen das Banner der Zuzüger von Visp. Wegen seines tapferes Verhaltens im Kampfe verlieh ihm der Zenden
Visp das Recht, in seinem Wappenschild einen der Löwen zu führen, die bekanntlich auch das Zendenwappen zieren. Zu seinen Nachkommen gehörte Simon In-Albon (1492-1540).
Am 18. April 1518 schenkte die Burgerschaft Visp dem amtierenden Landeshauptmann und Visper Burger Simon In-Albon (1492-1540) den Burghügel Gräfi-Biel, um ihn zu einem Hausbau zu bewegen. Die Visper
hofften den einflussreichen Politiker dadurch in Visp festhalten zu können. Er ging auch gleich ans Werk und liess ein prächtiges Haus mit tuffgerahmten Türen und Fenster, sowie dem zeittypischen
Treppengiebel erbauen. War hier der berühmte Baumeister Ulrich Ruffiner am Werk? Über dem Eingang zum Stiegenhaus liess In-Albon sein Wappen, den stehenden Löwen, anbringen. Am Riegel des
spätgotischen Schlosschildes steht die Jahrzahl 1520, was wohl als Bauende gelten kann.
Die Rechnung der Visper Burger ging nicht auf. Simon In-Albon liess sich wenige Jahre spaeter in Sitten nieder. Die Familie In-Albon in Visp erlosch bereits im Jahr 1708, nachdem sie dem Wallis mit
Johann (†1608) und Heinrich (1601-1666) zwei weitere Landeshauptmänner geschenkt hatte.
Im 18. Jh. gehörte das In-Albon-Haus dem einflussreichen Notaren und Visper Burger Bartholomäus Anton Lochmatter (1748-1812), mehrmaliger Burgermeister von Visp und Grosskastlan des Zenden, der mit
Maria Joseph Zurkirchen, Cousine des Fürstbischofs Joseph Anton Blatter, verheiratet war.
Das Haus wurde in den 1960er Jahren erhöht und hat durch Einsetzen grösser Fenster viel von seinem ursprünglichen Aussehen eingebüsst.
Alte Spittel
Die Zeit der Entstehung des Fremdenspitals von Visp lässt sich nicht genau feststellen. Die Grundlage zu dieser Stiftung schuf ein gewisser Theodul Lambien im 17. Jahrhundert. Aus besonderem Erbarmen
gegen arme Reisende und Pilger bestimmte er testamentarisch ein Haus mit eigenen Gütern fuer die unentgeldliche Beherbung notdürftiger Durchreisender. Nach etlichen Jahren wurden aber sämtliche
Liegenschaften des Spitals für 1760 Pfund verkauft und die Zinsen des Erlöses kamen den Armen zugute.
Landeshauptmann FranzJoseph Burgener (1697-1767) fasste nun den Plan, die alte Stiftung neu aufleben zu lassen. Im Einverständnis von Bischof Johann Joseph Blatter (1684-1752), einem gebürtigen
Visper, und dem Landvogt Joseph Zurkirchen (1676-1753), kaufte er 1751 das Haus des verstorbenen Kastlans Johann Bartholomäus Sterren (1672-1721) und liess es für die Aufnahme armer Reisende und
Pilger einrichten. Das “Alte Spittel“ stand bis 1965 armen Wanderern und Durchreisenden offen und wurde alsdann zum Internat der heilpädagogischen Schule umgebaut.
Das Haus selber wurde wie eine Inschrift im ersten Stock meldet, im Jahr 1584 von Landeshauptmann Johann In-Albon aus Visp erbaut und 1601 erweitert. Er hatte bereits 1569 von der Burgerschaft den
Platz der abgebrannten Säge, Bläue, Mühle und Pfisterei abgekauft um darauf ein neues Haus zu bauen. Landeshauptmann In-Albon war ein ehrgeiziger Politiker. Kein Walliser Staatsmann hat vor ihm so
viele Ämter in seiner Person vereinigt und so zäh daran gehangen. Er starb am 26. Januar 1608 und wurde in der Pfarrkirche St. Martin begraben. Seinen Erben hinterliess er ein gewaltiges Vermögen,
dessen Güter sich von Mörel bis nach Martinach und Entremont erstreckten.
Blaue Stein
Auf halber Höhe erreicht die St. Martinstrasse einen kleinen Platz beim “Blauen Stein“ oder “Häle Stein“. An dem schon 1451 als “helenstein“ bezeichneten Findling erkennt man neben der Jahreszahl der
Schlacht vom Mannenmitwoch (1388) noch einen kleinen Kries mit Mittelpunkt (Sonnenrad?) und eine Napfförmige Vertiefung, vielleicht herrührend von prähistorischen Kulten. Der Platz beim “Blauen
Stein“ diente während Jahrhunderten als “Gerichtsbank“. Dort trafen sich die Burger zu ihren Versammlungen und zwar nach “uralter Tradition“ am Mittag beim 12. Glockenschlag.
Die Jahreszahl 1388 wurde 1938 anlässlich der 650 Jahrfeier der Schlacht am “Mannenmitwoch“ eingemeisselt. Über die am 21. Dezember 1388 gegen Rudolf von Greyerz von Savoyen gefochte Schlacht
berichten die Sagen folgendes:
Graf Arnadeus von Savoyen kam mit vielem Kriegsvolk das Land herauf bis vor Visp. Er verlangte, man solle sich ergeben, ihm in die Burgschaft Einlass gewähren und Gehorsam schwören, ansonsten würde
er alles verbrennen und niedermachen. Die guten Leute begehrten in der Angst drei Tage Bedenkzeit, nicht als wollten sie sich freiwillig übergeben, sondern um Zeit zu gewinnen. Die Savoyer gaben
ihnen die verlangte Bedenkzeit, machten Quartier an der Vispe und warteten auf die Antwort. Die Visper sandten eilig um Hilfe ins Tal hinein und nach Goms und Brig und verhielten sich sonst
mäuschenstill, damit die Feinde nichts merkten. In der dritten Nacht wurde Wasser in die Burgschaft geleitet, das in der grossen Winterkälte zu Eis gefror und Wege und Stege ungangbar machte. In den
Werkstätten und in mancher Küche schmiedete man emsig spitze Fusseisen und Schuhnägel, um auf dem Eise sichern Stand zu bekommen. Man bereitete grosse Holzklötze und mit Steinen schwer beladene
Wagen, an die man noch schneidende Instrumente befestigte, um sie über das Eis in die feindlichen Scharen hinabrollen zu lassen. Als der dritte Tag anbrach, war alles schlagfertig. Da wolle man, wie
versprochen, den feindlichen Offizieren, die wegen der fürchterlichen Kälte in einem Stadel logierten, die Antwort überbringen. Die Walliser legten Feuer an den Stadel, und die Flammen stiegen hoch
auf. Noch zu den Dachlatten heraus schrien die Offiziere um Gnade, aber es ward keine gegeben. Unterdessen griffen auch die übrigen, wohlgerüsteten Krieger, auf dem Eise sicher einherschreitend, das
feindliche Kriegsbeer an und trieben auf dem glatten Boden grosse Holzstämme und schwer beladene, mit schneidenden Instrumenten versehene Wagen in die Reihen der Feinde hinein. Auf dem schlüpfrigen
Boden hatten die Savoyer keinen Stand und stürzten zu Boden. Zum Andenken an diese Schlacht setzte man im Zenden Visp den Mittwoch vor Weihnachten als Festtag ein, «Mannenmittwoch» genannt.
Diesem fur die Walliser Geschichte bedeutsamen Sieg wird noch heute alljährlich gedenkt.
Im Bild: Was den Jurassiern mit der Entführung des Unspunnensteins gelang, konnte in Visp nur knapp verhindert werden: Eine savoyardische Delegation aus Sallanches unter der Führung von Maitre
Falletti (rechts) versuchte 1988 den Stein zu entführen und sich für die Niederlage vor 600 Jahren zu rächen.
Blatter-Haus
Das sogenannte “Blatter-Haus“ verdank sein heutiges Aussehen einer Umgestaltung und Erweiterung eines älteren Baues in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Das alte Gebäude war vermutlich identisch mit
jenem Haus der Familie des Bischofs Adrian von Riedmatten (1529-1548), welches 1514 erwähnt wird. Anlässlich der letzten Renovation fand man Mauerteile die ins 14./15. Jahrhundert
zurückreichen.
Der Name “Blatter-Haus“ stammt vom Bannerherrn und Staatskanzler Joseph Ignatz Blatter (1695-1760), dem Initiator des Neubaus 1750/1760. Sein Vater, Notar Arnold Blatter (1653-1737) aus Zermatt,
hatte 1681 das Burgerrecht von Visp erworben und regierte 1731-1737 als Landeshauptmann von Wallis. Zwei Mitglieder der Visper Familie Blatter sassen auf dem Bischofsstuhl von Sitten: Johann Joseph
Blatter (1684-1752) der 1734-1752 Fürstbischof von Sitten war, sowie Joseph Anton Blatter (1745-1807) der 1790-1807 als Bischof von Sitten amtete.
Auf einer giltsteinernen Platte über dem Eingang zum Treppenhaus endeckt man nebst dem Wappen der Familie Blatter die Initialen “IBB&C“, die wie folgt zu deuten sind: Ignatz Blatter Bannerherr
und Staatskanzler
Burgener-Haus
Das Burgener-Haus wurde in den Jahren 1697-1699 als Wohnhaus des Visper Magistrat, Landvogt, Gross- oder Zendenkastlan, Landesschreiber und späteren Landeshauptmann Johann Jodok Burgener (1657-1721)
erbaut. Der Turm, der durch ein Erdbeben von 1855 zerstört wurden war, konnte erst bei der Restaurierung im Jahr 1985 wiederaufgebaut werden.
Eine alte Familienüberlieferung berichtet, Anna Cäcilia Lambien, Gattin des Johann Jodok Burgener, habe das stattliche Haus in Abwesenheit ihres Gatten bauen lassen, um es ihm bei seiner Rückkehr aus
französischem Solde mit Freuden zeigen zu können. Über dem Eingang zum Treppenturm ist das giltsteinerne Allianzwappen der Eheleute Burgener-Lambien angebracht.
Pfarrhaus
Dem Erdbeben von 1855 fiel auch das alte Pfarrhaus der St. Martinikirche zum Opfer. Das heutige Pfarrhaus wurde 1856/1857 errichtet.
Neues Rathaus
Der Erweiterung der St. Martinikirche Kirche 1950-1955 fielen zwei geschichtsträchtige Häuser zum Opfer: Das alte Zendenhaus von 1544 sowie das Burgerhaus aus dem Jahr 1710. Das heutige Rathaus wurde
1948 nach den Plänen von Marco und Donato Burgener erichtet.
St. Martinikirche
Im Gegensatz zur unteren Kirche der Burgschaft auf dem befestigten “Gräfi-Biel“ war die dem hl. Martin von Tours geweihte obere Kirche am Felsrand hoch über der Vispe das Gotteshaus der Grosspfarrei
Visp. Die um die Mitte des 13. Jahrhunderts erwähnte Kirche wich 1650-1655 einem Neubau, der das Werk des Pfarrers und grosszügigen Spenders Matthias Belwalder (Pfarrer von Visp 1648-1662) sowie der
beiden Pfarrviertel Visp und Stalden war; der Viertel Saas verweigerte seine Mithilfe. Der ausserordentliche Turm mit der 10-15 m hohen durchbrochenen Rippenkuppel (aus Tuff über einem Galerienkranz
wurde zum Wahrzeichen von Visp.
Die Kirche war 1845 eben erst renoviert worden, als sie das Erdbeben 1855 vernichtend traf. Die Rippenkuppel fiel herab, so dass das Turmkreuz bis in die Pfarrstube eindrang, und das einstürzende
Schiffsgewölbe brach Orgel und Stühle. Die stark beschädigte Kirche wurde 1856 renoviert, die Rippenkuppel des Turmes konnte jedoch nicht wieder aufgebaut werden. 1953-1955 erfolgte die Erweiterung
der Kirche, wobei das alte Chor abgerissen und durch einen stark vergrösserten Neubau ersetzt wurde. Es blieb die westliche Hälfte der barocken Kirche und der alte Turm erhalten. Im Hauptportal sieht
man noch die kunstvoll geschnitzte Nussbaumtüre aus der Bauzeit 1650-1655.
Das Innere der Kirche ist ganz im Stil der fünfziger Jahre erneuert worden. Farblich betonte Gurtbögen und Kreuzgratgewölbe klingen noch an den Barockstil an. Die monumentalen Glasfenster wurden vom
Künstler Paul Monnier hergestellt, ebenso die über den Seitenaltären hängenden Mosaiktafeln aus Marmor. Unter dem Chor liegt, vom Martiniplatz her zugänglich, die Bruderklausen-Kapelle. Der
Spätrenaissance-Taufstein aus Serpentin, der rechts in der Eingangshalle steht, stammt noch aus der Bauzeit der Kirche des 17. Jahrhunderts.
Das Haus des Pfarrers Peter Kaufmann neben der St. Martinskirche
Das als „altes Pfarrhaus“ bekannte Gebäude schliesst mit dem gegenüberstehenden Mengishaus den Martiniplatz gegen das Hofij ab. Es wurde im 16. Jh. vom Visper Pfarrer Kaufmann als Privathaus
erbaut.
Pfarrer Peter Kaufmann stammte ursprünglich von Törbel, war 1534-1539 Vikar in Visp und anschliessend Pfarrer bis 1574. Seine religiöse Gesinnung war nicht über jeden Zweifel erhaben und er galt als
Anhänger und Förderer der Reformation. Er soll beim Visper Volk nicht besonders beliebt gewesen sein. Trotzdem wurde Pfarrer Kaufmann im Jahr 1562 als Burger von Visp aufgenommen.
Bereits im Jahr 1551 hatte sich Pfarrer Peter Kaufmann südlich der St. Martinskirche ein kleines, einstöckiges Holzhaus erbaut und die Binnen in der Stube mit lateinischen Insschriften und seinem
Wappen verziert. Fünf Jahre nach seiner Einburgerung erweiterte er sein Haus noch um ein weiteres Stockwerk aus Holz und baute auf der Nordseite einen steinernen Anbau, der das Stiegenhaus sowie
Scheune und Stall beherbergte. Das Haus wurde 1990 renoviert.
Der Meier-Turm
Der Ursprung des heute noch bewohnten Meierturms geht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Hier übten die Meier, die Verwalter des bischöflichen Landesherrn, ihr vererbbares Amt aus. So war der Meier-Turm
vermutlich auch der Amtssitz der Majorissa Isabella Biandrate, bis sie im November 1365 zusammen mit ihrem Sohn ermordet wurde.
Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts bis etwa 1890 war der Turm im Besitz der Kastlansfamilie Lochmatter.
Die “Pflanzetta“
Gegenüber dem Friedhof steht der baugeschichtsträchtige Komplex der “Pflanzetta“, dessen ältere Teile vermutlich bis ins 14. Jahrhundert zurüchreichen. Der Gebäudekomplex bildete den Mittelpunkt des
Gutes, genannt “Pflanzetta“, bestehend aus Wohnhaus und verschiedenen Nutzbauten sowie Baumgärten und Wiesen rundherum.
Es gehörte einst Landeshauptmann Jodok Kalbermatter, der das Gebäude 1528 von Petermann de Platea gekauft und anschliessend grosszügig erweitert und umgebaut hatte. In der Folge kam die “Pflanzetta“
in den Besitz des reichen Landeshauptmann Johann In-Albon (†1608) und später an die Familie des Landeshauptmanns Arnold Blatter (1653-1737).
Vor einigen Jahren wurde die “Pflanzetta“ unter Aufsicht der kantonalen Denkmalpflege restauriert.
Zuber-Haus
Das sogenannte Zuber-Haus verdankt seinen Namen Landeshauptmann Sebastian Zuber, dessen farbige Wappentafel den Eingang ins hohe Treppenhaus ziert.
Mit seinen nördlich und südlich angebauten Wohnhäusern gehört das Zuber-Haus zu einem der baugeschichtlich interessantesten Baukomplexen in Visp. Wie alt die einzelnen Häuser sind, lässt sich kaum
mehr feststellen. In ihrem Kern reichen sie sicherlich bis ins Mittelalter. Beschränken wir uns jedoch auf das eigentliche Zuber-Haus.
Die in den letzten Jahren zum Vorschein gekommenen Inschriften lassen erahnen, dass das Zuber-Haus sein heutiges Aussehen im Wesentlichen einem Um- oder Neubau aus den ersten Jahrzehnten des 17. Jh.
verdankt. Bauherren waren die beiden einflussreichen Politiker Landeshauptmann Sebastian Zuber und Zendenbannerherr Nikolaus IV. Im Eich.
Nikolaus IV. Im Eich (1575-1644) war ein Sohn des Nikolaus III. Im Eich, sowie Enkel des Landeshauptmanns Nikolaus Im-Eich. Pfarrer und Geschichtsforscher Hans-Anton von Roten schreibt über ihn: „In
Nikolaus IV. Im Eich, dem letzten des Visper Stammes, erneuerte sich das politische Talent des Grossvaters. Er war reich und angesehen: im Goms hatte er auf dem Gebiet von Ulrichen am Blasen ein
herrliches Gut und Alpe, das den Neid der Leute von Ulrichen herausforderte. An der „Biene“, wo einst der Freiheitsheld Thomas In der Binden gelebt hatte, baute er für sich und seine Freunde ein
Landhaus für die heisse Sommerzeit. Seine Gattin war Christina Kreuzer aus reichem, auch im Gerental begüterten Visper Geschlecht. Nikolaus selbst war in der alten Sprache Roms gebildet, er amtete
manchmal als Notar, später kommt er 1608 als bischöflicher Fiskal vor. Um 1611 zog er als Hauptmann in Savoyischen Kriegsdienst und wurde auch Landvogt von St. Maurice (1616/17), wo er angeblich den
Brunnen im Schloss herstellen liess. Im Zehnden Visp war er lange Jahre Bannerherr und ist unter dem Namen: Bannerherr Im Eich in die Geschichte eingegangen. Reich an irdischen Gütern, aber
Kinderlos, starb er im Jahre 1644. Mit ihm erlosch der Stamm der Herren Im Eich.“
Derselbe Nikolaus IV. Im Eich hat auch im Anbau Nord eine herrlich getäfelte Stube herrichten lassen. Nebst einer Inschrift sind dort die Wappen der beiden Eheleute Im Eich und Kreuzer zu
sehen.
Landeshauptmann Sebastian Zuber (~1570-1639), Sohn des Thomas Zuber von St. Niklaus, kam als junger Notar nach Visp und erwarb dort 1594 das Burgerrecht. Nachdem er einige Ämter im Zenden Visp inne
gehabt hatte, wurde er für die Jahre 1602-1604 zum Landvogt von St. Maurice gewählt, war ab 1604 18 Jahre lang Staatskanzler und bekleidete 1621-1623 die Würde eines Landeshauptmannes vom Wallis.
Sebastian Zuber war verheiratet mit Christina Roten, Tochter des Bannerherrn und Landvogts Johann Roten von Raron, und der Christina Waldin von Sitten, Schwester des Landeshauptmanns Anton Waldin.
Christinas Bruder, Johannes II. Roten (1575-1659), ebenfalls Bannerherr von Raron, bekleidete 1623-1631 das Amt des Landeshauptmanns vom Wallis. Sebastian Zuber und seine Verwandtschaft gehörten
damals zu den einflussreichsten Politiker im Land Wallis.
Sebastian Zuber starb 1639 „durch gerechtes Urteil Gottes“, wie ein Landratsabscheid aus diesem Jahr berichtet. Er stürzte kopfüber die Treppe im Hause des Obersten Balthasar Ambüel in Sitten
hinunter und fand so den Tod. Die Nachkommenschaft des Landeshauptmann starb in Visp bereits im Jahr 1769 aus, während die Familie in Sitten 1830 erlosch.
Die einstigen Erbauer waren bereits über 200 Jahre tot, als ein weiterer einflussreicher Politiker seinen Wohnsitz ins Zuber-Haus verlegte: Joseph Anton Clemenz (1810-1872).
Die Familie Clemenz wurde mit Peter Joseph Clemenz von Staldenried im Jahr 1732 in den Kreis der Burger von Visp aufgenommen. Seit 1727 in Visp wohnhaft hatte er sich die Bewirtschaftung der
durstigen Bewohner zur Aufgabe gemacht und führte eine kleine Weinschenke. Auch sein gleichnamiger Sohn Peter-Joseph (1730-1778) und dessen Sohn Joseph (1774-1843) führten die Wirte-Tradition in Visp
weiter. Letzterer erbaute sein Elternhaus, welches den Kriegen 1798/99 zu Opfer gefallen war, wieder neu auf und eröffnete darin um 1805 das “Gasthaus zum Weissen Pferd“. Wohl in diesem Haus wurde am
29. Januar 1810 Joseph-Anton Clemenz als Sohn des oben genannten Wirts und Burgerfähnrichs Joseph Clemenz und dessen zweiter Ehegattin Magdalena Ruppen aus Visp geboren. Nach den Studien in den
Kollegien Visp und St. Maurice, besuchte Joseph Anton den Rechtskurs in Sitten und wurde Anfang 1833 als öffentlicher Notar zugelassen. Zurück in Visp amtete er mehrmals als Burgermeister und war
zudem der erste Gemeindepräsident von Visp 1841/42. Er war über 30 Jahre Grossrat, 1848-1857 und 1865-1869 Vizepräsident, und 1857-1865 Präsident des Grossen Rates, Vizepräsident des
Appellationsgericht, National- und Ständerat u.s.w..
Auch sein angestammtes “Handwerk“ vergass Joseph-Anton Clemenz nicht. Während sein Bruder Franz (1805-1860) das von ihrem Vater ererbte Gasthaus „Zum Weissen Pferd“ (welches jetzt ins nobler
klingende „Zum Weissen Rössli“ umbenannt worden war) in Visp führte, eröffnete Joseph-Anton Clemenz in Zermatt 1852 das 14 Betten grosse Hotel “Mont Cervin“. Wenige Jahre später baute er es sogar auf
8 Betten aus. Ein weiterer Hotelier in Zermatt, der unermüdliche Alexander Seiler, lieferte dem Staatsmann Clemenz manch harten Konkurrenzkampf, so dass dieser sein Hotel bald an Seiler
verkaufte.
In Visp bewohnte Joseph-Anton Clemenz das hochgebaute Zuber-Haus am Aufgang zum Blauen Stein. Um 1850 liess er im grossen Saal des dritten Stockwerks neue Fenster ausbrechen. Auf einem Medaillon an
der Saaldecke erinnern noch die Wappen Clemenz und Andenmatten an den einstigen Bewohner Joseph Anton Clemenz und seine zweite Gattin Cölestina Andenmatten.
Die Wohnung im dritten Geschoss hat Pfarrer und Geschichtsforscher Hans-Anton von Roten in seinem Werk über die Landeshauptmänner wie folgt beschrieben:
„Treten wir in das Haus, so finden wir zu beiden Seiten stattliche Keller, von denen der zur rechten Hand vor einigen Jahren zur Wirtschaft umgebaut wurde. Die Wendeltreppe führt hinauf zu fünf
Wohnungen von ungleicher Grösse und Einteilung. Die merkwürdigste davon ist die Wohnung im dritten Stockwerk, welche einen grossen Saal aufweist.
Als ich anno 1928 voll Neugierde zum ersten mal das ehrwürdige Haus der Zuber in Visp besuchte, wohnte hier eine vornehme alte Visper Dame, Frau Adrienne Clemenz-von Werra, die kinderlose Witwe des
Herrn Grossrates und Kantonsrichters Cäsar Clemenz. Ich sehe noch, wie der grosse Saal damals unterteilt war, die östliche Hälfte war der stattliche Salon der alten Dame; an der Decke prallte das
gemalte Wappen des Staatsrates und Grossratspräsidenten Joseph Anton Clemenz (1810-1872). An den Wänden hingen die schönen Porträts des Domdekans Alois Amherd († 1825) und der beiden Töchter des
Barons Ferdinand von Werra, welche mit ihren Musikinstrumenten abgebildet waren.“
Während die Nachkommenschaft Joseph -Anton Clemez’s bereits mit dessen Sohn Cäsar 1907 ausstarb, blüht in Visp heute noch die Linie seines Stiefbruders Johann Baptist Peter Joseph Vincens Clemenz
(1804-1880).
Rytikapelle
Gemäss den archäologischen Untersuchungen bei der Renovation der Kapelle im Jahr 1976, konnten zwei frühere Bauetappen festgestellt werden: Eine kleine Kapelle aus dem 13./14. Jahrhundert, sowie eine
Erweiterung dieser im 15./16. Jh.
Schon bald nach dem Bau der ersten Kapelle wurde sie zu einem bedeutendem Wallfahrtsort, so dass man sich im 17. Jh. zum einem Neubau entschloss. Die heutige Kapelle stammt aus den Jahren 1645-1662.
Die genauen Baujahre sind nicht bekannt, da schriftliche Unterlagen aus dieser Zeit fehlen. Bei der Renovation fand man in der Pflästerung der zweiten Kapelle eine Münze aus dem Jahr 1645, was
heisst, dass frühestens mit diesem Zeitpunkt gerechnet werden kann. Als Bauherrn darf Mathias Bellwalder genannt werden, der von 1648 bis zu seinem Tod 1662 Pfarrer von Visp war. Er soll eine
beträchtliche Summe aus seinem Privatvermögen für den Kapellenbau gestiftet haben. Sein Wappen ist deshalb auch über dem Eingangsportal zu sehen.
Das westlich neben der Kapelle stehende Haus der Kapellenvögte erbaute der Tiroler Zimmermann Januarius Schlingler 1662 als typisches Walliser Holzhaus. 1673 wurde der Holzteil zum Schutz vor Feuer
mit einem Mauermantel umgeben.

