Auf dem Kaufplatz

 

Auf dem Kaupflatz sind wir im Herzen von Visp, dem „Städtchen mit der freundlichen Note“. Hier tritt an besonderen Anlässen, wie z.B. am Ostersonntag oder am Weihnachtstag nach dem Hauptgottesdienst zur Freude der Bevölkerung die Musikgesellschaft „Vispe“ auf.

 

An Markttagen, vor allem aber beim „Püürumärt“, wenn verschiedene landwirtschatliche Produzenten aus Visp und Umgebung ihre Produkte anbieten, herrscht am späten Freitag Nachmittag hier reges Leben.

 

Visp ist Hauptort des gleichnamigen Bezirks oder Zendens. In Visp wohnen über sechseinhalbtausend Leute und hier finden sich gegen siebeneinhalbtausend Arbeitsplätze, zweieinhalbtausend allein bei der Lonza. Visp kann darum als das wirtschaftliche Zentrum des Oberwallis bezeichnet werden. Zählt man zu den Arbeitern und Angestellten noch die Schüler der regionalen Schulen dazu, so reisen einige Tausend Menschen Tag für Tag nach Visp und kehren am Abend wieder in ihre Dörfer zurück. Positiv wirkt sich dieser tägliche Wechsel auf die Bewirtschaftung und Pflege der umliegenden Landschaft und der Bergdörfer aus. Negativ bemerkbar machen sich die seit Jahren chronisch verstopften Strassen der Region. Ob der lang diskutierte Bau der Autobahn einmal Abhilfe schafft, wird sich zeigen.

 

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein bildete der heute ansehnliche Kaufplatz den Rand der alten Burgschaft Visp. Zum Schutz vor den Hochwassern waren die Häuser an den Berghang gebaut worden. Denn herbstliche Föhnregen, aber auch der Ausbruch von Gletscherseen führten immer wieder zu schweren Überschwemmungen durch die Vispa, die sich von Süden und durch den Rotten, der sich von Osten her durch den breiten Talgrund schlängelten. Gefürchtet war der Märjelensee, ein Randsee am Grossen Aletschgletscher. Er hatte mit elf Millionen Kubikmeter Wasser um das Jahr 1878 seine grösste Ausdehnung. Die sommerliche Gletscherbewegung riss schlagartig Schründe in den eisige Seerand. Die befreiten Wassermassen stürzten sich in die Massa und verwüsteten den Talgrund. Ähnliche Verheerungen brachten der Mattmarksee aus dem Saastal und der Gornersee aus dem Raum Zermatt.

 

In unmittelbarer Nähe des Kaufplatzes legte vor Jahren ein Fundamentaushub in acht Metern Tiefe mittelalterliche Mauerreste frei. Sie bezeugen die kontinuierliche Aufschüttung der Talsohle, vermutlich ausgelöst auch durch den Rückstau des Rottens bei Susten. Hier führten Hochwasser aus dem Ilgraben Schuttmassen über den Kegel des Pfynwaldes an den Nordhang unter der alten Stadt Leuk. Durch den Rückstau füllte sich der Talgrund während Jahrhunderten auf einer Länge von 30 Kilometern kontinuierlich mit Kies und Feinsand auf.

 

Erst um 1850 konnten der Rotten und die Vispa durch eine grosszügig angelegte Korrektion gebändigt werden, der Talgrund wurde nutzbar. Es entstanden Weiden, Äcker und Wiesen.

 

1876 fuhr die erste Bahn, die Suisse Occidentale-Simplon-Bahn, durch das Rhonetal herauf bis Visp.

 

Bald danach begann man, den breiten Talgrund bis an den nördlichen Hang unter Eggerberg zu überbauen. Wohnsiedlungen, Geschäfte und Handwerksbetriebe, aber vor allem auch die weitläufigen Werkanlagen der Lonza AG stehen heute auf den früheren Weiden und Äckern.

 

Einige knappe Hinweise zur Geschichte der Landschaft Wallis:

 

Als im ausgehenden 4. Jahrhundert ein eigenes Walliser Bistum entstand, war der Bischofsitz in Octodurum, dem heutigen Martinach. Später wechselte der Bischof nach Sitten.

 

Im 10. Jahrhundert bildete die Grafschaft Wallis einen Teil des Königreichs Hochburgund. Um seine wankende Herrschaft gegen den machthungrigen Adel zu stärken, schenkte König Rudolf III. im Jahr 999 die Grafschaft Wallis dem Bischof Hugo von Sitten. Damit wurde der Bischof von Sitten Landesfürst eines weitgehend unabhängigen Staates. Der Bischof behielt dieses weltliche Amt während 800 Jahren bis zum Einfall der Franzosen nach der französischen Revolution.

 

Seit dem 14. Jahrhundert gliedert sich das Wallis zwischen der Furka und der Morge unterhalb von Sitten in sieben bischöfliche Verwaltungskreise, Bezirke oder Zenden genannt. Neben Sitten gehörte Visp zu den wichtigsten Zendenhauptorten. Hier vertraten die Viztume und Meier, später auch die Kastlane, die Interessen des Bischofs. Sie übten die Gerichtsbarkeit aus und trieben die Steuern ein.

 

Neben dem Bischof erhielt der Landrat, das damalige Parlament, eine immer grössere Bedeutung. Der Landrat tagte in den verschiedenen Zendenhauptorten. Im Jahr 1388, anlässlich der Kämpfe gegen die Savoyer, wählten die sieben Zenden erstmals einen Hauptmann als Anführer. Der Hauptmann erhielt immer grössere Aufgaben zugewiesen. 1420 finden wir erstmals die Bezeichnung „Landeshauptmann“. Neben militärischen Belangen war der Landeshauptmann für die Verwaltung zuständig und verhandelte mit den Vertretern benachbarter Staaten. Im Turnus besetzten auch Bürger von Visp dieses hohe Amt. Zu Hause erbauten sich diese wichtigen Herren ansehnliche Bürgerhäuser.

 

Ein erstes Beispiel dafür steht in der Südwest-Ecke des Kaufplatzes: das Zuber-Haus, heute mit dem Restaurant Wiwanni im Erdgeschoss. Hier ist ein mächtiger, geschichtlich interessanter Häuserkomplex zusammengebaut. Auf der Seite des Kaufplatzes prägt ein für Visp typischer Treppenturm mit einer Wendeltreppe den fünfstöckigen Bau. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde das Gebäude durch angesehene Politiker, den Landeshauptmann Sebastian Zuber und den Zendenbannerherr Nikolaus Im Eich, ausgebaut. Über dem Portal erinnert ein in den Stein gehauenes Wappen an Sebastian Zuber. Um 1850 liess der Politiker Josef-Anton Clemenz im Saal des 3. Stockes grosse Rundbogenfenster ausbrechen.

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