Kultur- und Kongresszentrum La Poste
Das moderne Kultur- und Kongresszentrum „La Poste“, nach Plänen der Tessiner Architekten Gabrini, Verda und Keller erbaut, wurde 1991 eingeweiht. Im Theatersaal mit 600 Sitzplätzen präsentieren international angesehene Orchester, Theatergruppen und Balletttruppen und auch einheimische Kräfte ihre Darbietungen. Ein unterteilbarer Mehrzwecksaal bietet bis 750 Personen Platz für Grossanlässe und Bankette.
So modern der heutige Neubau aussieht, so alt ist die Geschichte seines Standorts, genannt „Über Biel“.
Bereits ums Jahr 1600 fanden Reisende hier Unterkunft im Gasthaus „Zum Weissen Pferd“, wo damals Adrian In-Albon als umsichtiger Wirt waltete. Auf einem Stich von Merian aus dem Jahr 1642 ist der Bau gut zu erkennen. Später stand an der gleichen Stelle das „Gasthaus zum Weissen Rösslein“. Im Jahr 1861, als der Tourismus auch in unserer Gegend zu blühen begann, entstand hier das „Hotel de la Poste“. Pferdekutschen, die über den Simplon und durchs Wallis fuhren, hielten vor dem grossen Haus.
Um 1920 musste die Pferdestallung am Ostrand des Hotels einem grossen Theatersaal weichen. 60 Jahre lang ergötzte sich die Visperbevölkerung im sogenannte „La Poste-Saal“ an Theatern und Operetten, Filmdarbietungen, Konzerten und Bällen. Als in den Krisenjahren die meisten Visper Hotels schliessen mussten, übernahm die Lonza AG 1941 das „La Poste“, das dann von verschiedenen Pächtern betrieben wurde.
Im Jahre 1897 hatte sich die damals neu gegründete Lonza AG in Gampel angesiedelt, um dort aus der Wasserkraft des Lonzaflusses elektrische Energie und daraus schliesslich Karbid zu gewinnen. Die grosse Nachfrage führte im Jahre 1907 zur Ausweitung der Anlagen nach Visp, wo elektrische Energie aus dem Saastal zur Verfügung stand. Ausgehend von den einheimischen Grundprodukten Wasser, Luft und Kalkstein und mit zugekaufter Kohle hat sich die Lonza in hundert Jahren vom einfachen Karbidproduzenten zu einem Spezialisten der Fein- und Exclusivchemie entwickelt. Sogar in der Biochemie steht die Lonza weltweit an vorderster Front. Heute ist die Lonza AG mit über zweieinhalbtausend Beschäftigten der wichtigste Arbeitgeber in Visp.
Für das „La Poste“ der Lonza brachten die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts die grosse Wende. Die Gemeinde Visp übernahm das alte Gebäude mit dem dazugehörenden Garten - und nach einem überregional ausgeschriebenen Architekur-Wettbewerb wurde der heutige Bau errichtet.
„Über Biel“, so die Ortsbezeichnung, weist darauf hin, dass sich hier einmal ein Hügel befand, denn „Biel“ bedeutet im älteren Walliserdialekt so viel wie „Anhöhe, Hügel“. Warum davon heute nichts mehr zu sehen ist, wird auf dem Kaufplatz, unserer nächsten Station, zur Sprache kommen.



