St. Martinikirche
Im Gegensatz zur unteren Kirche der Burgschaft auf dem befestigten “Gräfi-Biel“ war die dem hl. Martin von Tours geweihte obere Kirche am Felsrand hoch über der Vispe das Gotteshaus der
Grosspfarrei Visp. Die um die Mitte des 13. Jahrhunderts erwähnte Kirche wich 1650-1655 einem Neubau, der das Werk des Pfarrers und grosszügigen Spenders Matthias Belwalder (Pfarrer von Visp
1648-1662) sowie der beiden Pfarrviertel Visp und Stalden war; der Viertel Saas verweigerte seine Mithilfe. Der ausserordentliche Turm mit der 10-15 m hohen durchbrochenen Rippenkuppel (aus Tuff
über einem Galerienkranz wurde zum Wahrzeichen von Visp.
Die Kirche war 1845 eben erst renoviert worden, als sie das Erdbeben 1855 vernichtend traf. Die Rippenkuppel fiel herab, so dass das Turmkreuz bis in die Pfarrstube eindrang, und das einstürzende
Schiffsgewölbe brach Orgel und Stühle. Die stark beschädigte Kirche wurde 1856 renoviert, die Rippenkuppel des Turmes konnte jedoch nicht wieder aufgebaut werden. 1953-1955 erfolgte die
Erweiterung der Kirche, wobei das alte Chor abgerissen und durch einen stark vergrösserten Neubau ersetzt wurde. Es blieb die westliche Hälfte der barocken Kirche und der alte Turm erhalten. Im
Hauptportal sieht man noch die kunstvoll geschnitzte Nussbaumtüre aus der Bauzeit 1650-1655.
Das Innere der Kirche ist ganz im Stil der fünfziger Jahre erneuert worden. Farblich betonte Gurtbögen und Kreuzgratgewölbe klingen noch an den Barockstil an. Die monumentalen Glasfenster wurden
vom Künstler Paul Monnier hergestellt, ebenso die über den Seitenaltären hängenden Mosaiktafeln aus Marmor. Unter dem Chor liegt, vom Martiniplatz her zugänglich, die Bruderklausen-Kapelle. Der
Spätrenaissance-Taufstein aus Serpentin, der rechts in der Eingangshalle steht, stammt noch aus der Bauzeit der Kirche des 17. Jahrhunderts.



