Zuber-Haus
Das sogenannte Zuber-Haus verdankt seinen Namen Landeshauptmann Sebastian Zuber, dessen farbige Wappentafel den Eingang ins hohe Treppenhaus ziert.
Mit seinen nördlich und südlich angebauten Wohnhäusern gehört das Zuber-Haus zu einem der baugeschichtlich interessantesten Baukomplexen in Visp. Wie alt die einzelnen Häuser sind, lässt sich
kaum mehr feststellen. In ihrem Kern reichen sie sicherlich bis ins Mittelalter. Beschränken wir uns jedoch auf das eigentliche Zuber-Haus.
Die in den letzten Jahren zum Vorschein gekommenen Inschriften lassen erahnen, dass das Zuber-Haus sein heutiges Aussehen im Wesentlichen einem Um- oder Neubau aus den ersten Jahrzehnten des 17.
Jh. verdankt. Bauherren waren die beiden einflussreichen Politiker Landeshauptmann Sebastian Zuber und Zendenbannerherr Nikolaus IV. Im Eich.
Nikolaus IV. Im Eich (1575-1644) war ein Sohn des Nikolaus III. Im Eich, sowie Enkel des Landeshauptmanns Nikolaus Im-Eich. Pfarrer und Geschichtsforscher Hans-Anton von Roten schreibt über ihn:
„In Nikolaus IV. Im Eich, dem letzten des Visper Stammes, erneuerte sich das politische Talent des Grossvaters. Er war reich und angesehen: im Goms hatte er auf dem Gebiet von Ulrichen am Blasen
ein herrliches Gut und Alpe, das den Neid der Leute von Ulrichen herausforderte. An der „Biene“, wo einst der Freiheitsheld Thomas In der Binden gelebt hatte, baute er für sich und seine Freunde
ein Landhaus für die heisse Sommerzeit. Seine Gattin war Christina Kreuzer aus reichem, auch im Gerental begüterten Visper Geschlecht. Nikolaus selbst war in der alten Sprache Roms gebildet, er
amtete manchmal als Notar, später kommt er 1608 als bischöflicher Fiskal vor. Um 1611 zog er als Hauptmann in Savoyischen Kriegsdienst und wurde auch Landvogt von St. Maurice (1616/17), wo er
angeblich den Brunnen im Schloss herstellen liess. Im Zehnden Visp war er lange Jahre Bannerherr und ist unter dem Namen: Bannerherr Im Eich in die Geschichte eingegangen. Reich an irdischen
Gütern, aber Kinderlos, starb er im Jahre 1644. Mit ihm erlosch der Stamm der Herren Im Eich.“
Derselbe Nikolaus IV. Im Eich hat auch im Anbau Nord eine herrlich getäfelte Stube herrichten lassen. Nebst einer Inschrift sind dort die Wappen der beiden Eheleute Im Eich und Kreuzer zu
sehen.
Landeshauptmann Sebastian Zuber (~1570-1639), Sohn des Thomas Zuber von St. Niklaus, kam als junger Notar nach Visp und erwarb dort 1594 das Burgerrecht. Nachdem er einige Ämter im Zenden Visp
inne gehabt hatte, wurde er für die Jahre 1602-1604 zum Landvogt von St. Maurice gewählt, war ab 1604 18 Jahre lang Staatskanzler und bekleidete 1621-1623 die Würde eines Landeshauptmannes vom
Wallis. Sebastian Zuber war verheiratet mit Christina Roten, Tochter des Bannerherrn und Landvogts Johann Roten von Raron, und der Christina Waldin von Sitten, Schwester des Landeshauptmanns
Anton Waldin. Christinas Bruder, Johannes II. Roten (1575-1659), ebenfalls Bannerherr von Raron, bekleidete 1623-1631 das Amt des Landeshauptmanns vom Wallis. Sebastian Zuber und seine
Verwandtschaft gehörten damals zu den einflussreichsten Politiker im Land Wallis.
Sebastian Zuber starb 1639 „durch gerechtes Urteil Gottes“, wie ein Landratsabscheid aus diesem Jahr berichtet. Er stürzte kopfüber die Treppe im Hause des Obersten Balthasar Ambüel in Sitten
hinunter und fand so den Tod. Die Nachkommenschaft des Landeshauptmann starb in Visp bereits im Jahr 1769 aus, während die Familie in Sitten 1830 erlosch.
Die einstigen Erbauer waren bereits über 200 Jahre tot, als ein weiterer einflussreicher Politiker seinen Wohnsitz ins Zuber-Haus verlegte: Joseph Anton Clemenz (1810-1872).
Die Familie Clemenz wurde mit Peter Joseph Clemenz von Staldenried im Jahr 1732 in den Kreis der Burger von Visp aufgenommen. Seit 1727 in Visp wohnhaft hatte er sich die Bewirtschaftung der
durstigen Bewohner zur Aufgabe gemacht und führte eine kleine Weinschenke. Auch sein gleichnamiger Sohn Peter-Joseph (1730-1778) und dessen Sohn Joseph (1774-1843) führten die Wirte-Tradition in
Visp weiter. Letzterer erbaute sein Elternhaus, welches den Kriegen 1798/99 zu Opfer gefallen war, wieder neu auf und eröffnete darin um 1805 das “Gasthaus zum Weissen Pferd“. Wohl in diesem Haus
wurde am 29. Januar 1810 Joseph-Anton Clemenz als Sohn des oben genannten Wirts und Burgerfähnrichs Joseph Clemenz und dessen zweiter Ehegattin Magdalena Ruppen aus Visp geboren. Nach den Studien
in den Kollegien Visp und St. Maurice, besuchte Joseph Anton den Rechtskurs in Sitten und wurde Anfang 1833 als öffentlicher Notar zugelassen. Zurück in Visp amtete er mehrmals als Burgermeister
und war zudem der erste Gemeindepräsident von Visp 1841/42. Er war über 30 Jahre Grossrat, 1848-1857 und 1865-1869 Vizepräsident, und 1857-1865 Präsident des Grossen Rates, Vizepräsident des
Appellationsgericht, National- und Ständerat u.s.w..
Auch sein angestammtes “Handwerk“ vergass Joseph-Anton Clemenz nicht. Während sein Bruder Franz (1805-1860) das von ihrem Vater ererbte Gasthaus „Zum Weissen Pferd“ (welches jetzt ins nobler
klingende „Zum Weissen Rössli“ umbenannt worden war) in Visp führte, eröffnete Joseph-Anton Clemenz in Zermatt 1852 das 14 Betten grosse Hotel “Mont Cervin“. Wenige Jahre später baute er es sogar
auf 8 Betten aus. Ein weiterer Hotelier in Zermatt, der unermüdliche Alexander Seiler, lieferte dem Staatsmann Clemenz manch harten Konkurrenzkampf, so dass dieser sein Hotel bald an Seiler
verkaufte.
In Visp bewohnte Joseph-Anton Clemenz das hochgebaute Zuber-Haus am Aufgang zum Blauen Stein. Um 1850 liess er im grossen Saal des dritten Stockwerks neue Fenster ausbrechen. Auf einem Medaillon
an der Saaldecke erinnern noch die Wappen Clemenz und Andenmatten an den einstigen Bewohner Joseph Anton Clemenz und seine zweite Gattin Cölestina Andenmatten.
Die Wohnung im dritten Geschoss hat Pfarrer und Geschichtsforscher Hans-Anton von Roten in seinem Werk über die Landeshauptmänner wie folgt beschrieben:
„Treten wir in das Haus, so finden wir zu beiden Seiten stattliche Keller, von denen der zur rechten Hand vor einigen Jahren zur Wirtschaft umgebaut wurde. Die Wendeltreppe führt hinauf zu
fünf Wohnungen von ungleicher Grösse und Einteilung. Die merkwürdigste davon ist die Wohnung im dritten Stockwerk, welche einen grossen Saal aufweist.
Als ich anno 1928 voll Neugierde zum ersten mal das ehrwürdige Haus der Zuber in Visp besuchte, wohnte hier eine vornehme alte Visper Dame, Frau Adrienne Clemenz-von Werra, die kinderlose Witwe
des Herrn Grossrates und Kantonsrichters Cäsar Clemenz. Ich sehe noch, wie der grosse Saal damals unterteilt war, die östliche Hälfte war der stattliche Salon der alten Dame; an der Decke prallte
das gemalte Wappen des Staatsrates und Grossratspräsidenten Joseph Anton Clemenz (1810-1872). An den Wänden hingen die schönen Porträts des Domdekans Alois Amherd († 1825) und der beiden Töchter
des Barons Ferdinand von Werra, welche mit ihren Musikinstrumenten abgebildet waren.“
Während die Nachkommenschaft Joseph -Anton Clemez’s bereits mit dessen Sohn Cäsar 1907 ausstarb, blüht in Visp heute noch die Linie seines Stiefbruders Johann Baptist Peter Joseph Vincens Clemenz
(1804-1880).



